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MK Websolution

18. März 2026 · 6 Min.

BFSG 2027: Barrierefreiheit wird Pflicht - auch für kleine Unternehmen

Viele kleine Unternehmen haben das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) bisher ignoriert. Verständlich - seit Juni 2025 galt eine Ausnahme für Betriebe mit weniger als 10 Mitarbeitern und unter 2 Millionen Euro Jahresumsatz. Aber diese Schonfrist läuft Ende 2026 aus. Ab dem 1. Januar 2027 gilt: Jede Website, die Dienstleistungen oder Produkte anbietet, muss barrierefrei sein. Ohne Ausnahme.

BFSG Countdown Stand: März 2026
75 %
Juni 2025 · BFSG in Kraft Jan 2027 · Deadline

~9

Monate verbleibend

WCAG 2.1

Geforderter Standard

100 %

Alle betroffen

Wen betrifft das konkret?

Jeden, der über seine Website etwas verkauft oder Dienstleistungen anbietet. Also Online-Shops, Buchungssysteme, Kontaktformulare für Terminvereinbarungen, digitale Bezahlvorgänge. Ein Friseur mit Online-Buchung ist genauso betroffen wie ein Handwerker mit Angebotsformular oder ein Restaurant mit Tischreservierung.

Rein informative Seiten ohne Interaktion fallen weniger streng darunter. Aber: Sobald ein Kontaktformular, eine Buchungsfunktion oder ein Shop drauf ist, greift das Gesetz.

Betroffen oder nicht?

Online-Shop - Produkte verkaufen = betroffen

Online-Buchung - Termine buchen = betroffen

Kontaktformular + Angebot - Dienstleistung anbieten = betroffen

Reine Info-Seite - ohne Interaktion = weniger streng

Was fordert das Gesetz?

Das BFSG setzt den European Accessibility Act (EAA) in deutsches Recht um - die EU-weite Richtlinie, die digitale Barrierefreiheit europaweit einheitlich regelt. Der technische Standard dahinter heißt WCAG 2.1 Level AA. Klingt abstrakt - hier mal konkret, wie ein Accessibility-Audit deiner Seite aussehen könnte:

Accessibility Audit 4 Verstöße

img ohne alt-Attribut

<img src="hero.jpg"> — Zeile 42

1.1.1

Kontrast 2.8:1 zu gering

.subtitle { color: #aaa } — min. 4.5:1

1.4.3

Formular ohne sichtbares Label

<input placeholder="E-Mail"> — Zeile 89

1.3.1

Fokus-Indikator entfernt

*:focus { outline: none } — Zeile 3

2.4.7

WCAG 2.1 Level AA · 4 Verstöße · 2 kritisch, 2 Warnungen

So ein Audit zeigt dir auf einen Blick, wo deine Seite steht. Die WCAG-Nummern verweisen auf konkrete Richtlinien - das klingt bürokratisch, hilft aber bei der systematischen Abarbeitung. Du kannst deine Seite auch schnell mit unserem Speed-Test prüfen, der neben Performance auch grundlegende Accessibility-Probleme erkennt.

Was passiert wenn ich nichts mache?

Das BFSG sieht Bußgelder bis zu 100.000 Euro vor. Realistisch wird die Marktüberwachung nicht sofort bei jedem Handwerker vor der Tür stehen. Aber: Abmahnungen durch Wettbewerber und Verbraucherschutzverbände sind möglich - das ist im European Accessibility Act (EAA) ausdrücklich vorgesehen. Und die Erfahrung mit der DSGVO hat gezeigt - wer zu spät dran ist, zahlt drauf.

Vergleich DSGVO

Als die DSGVO 2018 kam, haben viele kleine Betriebe abgewartet. Die Folge: Abmahnwellen, teure Nachbesserungen unter Zeitdruck und unnötiger Stress. Beim BFSG kann man aus diesem Fehler lernen.

Kontraste: der häufigste Fehler

Graue Schrift auf weißem Hintergrund sieht "clean" aus, ist aber für viele Menschen nicht lesbar. Die WCAG fordert ein Kontrastverhältnis von mindestens 4.5:1 für normalen Text. Hier der Unterschied:

Kontrast-Check
Durchgefallen

Ihr Termin wurde bestätigt. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

#aaaaaa auf #ffffff
2.3:1
Bestanden

Ihr Termin wurde bestätigt. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

#595959 auf #ffffff
7.0:1

Der Unterschied ist subtil im Design, aber riesig in der Lesbarkeit. Besonders bei älteren Menschen oder bei Sonnenlicht auf dem Smartphone. Ein Kontrastchecker wie der in den Chrome DevTools zeigt dir die Werte sofort an.

Tastatur-Navigation: der zweite blinde Fleck

Viele Websites sehen gut aus - aber nur wenn man eine Maus hat. Versuch mal deine Seite nur mit der Tastatur zu bedienen. Tab-Taste zum Navigieren, Enter zum Klicken. Bei den meisten Seiten passiert Folgendes:

Tastatur-Navigation

Ohne Fokus-Styles (vorher)

Start Leistungen Referenzen Kontakt

↑ Wo ist der Fokus? Keine Ahnung.

Mit Fokus-Styles (nachher)

Start Leistungen Referenzen Kontakt

↑ Sofort erkennbar: “Referenzen” ist aktiv.

Die meisten Webdesigner entfernen Fokus-Styles mit outline: none weil sie "hässlich" aussehen. Das ist ein Barrierefreiheitsverstoß. Die Lösung: Eigene, zum Design passende Fokus-Styles definieren. Sieht gut aus und funktioniert für alle.

Die häufigsten Fehler die wir sehen

In den letzten Monaten haben wir dutzende Websites von kleinen Unternehmen geprüft. Die gleichen Probleme tauchen immer wieder auf:

Bilder ohne Alt-Texte

Der häufigste Fehler. Besonders bei WordPress-Seiten wo Bilder schnell hochgeladen werden - weniger Plugins helfen, den Überblick zu behalten

Hellgraue Texte auf weißem Hintergrund

Sieht modern aus, ist aber für viele Menschen schlecht lesbar

Formulare ohne Labels

Nur Placeholder-Text statt echte Beschriftungen - verschwindet beim Tippen

Cookie-Banner nicht bedienbar

Viele Banner lassen sich mit der Tastatur nicht schließen oder ablehnen

Videos ohne Untertitel

Eingebettete YouTube-Videos ohne eigene Untertitel sind ein WCAG-Verstoß

Was muss ich konkret machen?

Der schnellste Einstieg: Suche im Browser-Extension-Store nach Accessibility-Checker-Erweiterungen und lass deine Seite einmal durchlaufen. In fünf Minuten siehst du die gröbsten Probleme. Die offizielle WCAG 2.1 Spezifikation ist die technische Referenz dahinter.

BFSG Checkliste
Alt-Texte für alle Bilder hinterlegen
Farbkontraste prüfen (min. 4.5:1)
Formulare mit sichtbaren Labels versehen
Tastatur-Navigation testen (Tab, Enter, Escape)
Fokus-Styles sichtbar machen
Barrierefreiheitserklärung veröffentlichen
Cookie-Banner mit Tastatur bedienbar machen

Was kostet die Umsetzung?

Das kommt drauf an. Wenn deine Website sauber gebaut ist, reichen oft ein paar gezielte Anpassungen: Alt-Texte nachtragen, Kontraste korrigieren, Formulare anpassen. Das ist kein Riesenprojekt. Mehr zum Thema Budget findest du in unserem Artikel Was kostet eine Website?

Bei älteren Websites mit veralteten Themes oder Page-Buildern wird es aufwändiger. Da ist ein Redesign manchmal der günstigere Weg als nachträgliches Flicken - wann sich das lohnt, erklären wir in Redesign statt neue Website. Bei einem neuen Webdesign bauen wir Barrierefreiheit von Anfang an mit ein - das spart die Nacharbeit komplett.

Faustregel

Nachträgliche Barrierefreiheit kostet 2-3x mehr als wenn man es von Anfang an mitdenkt. Wer sowieso ein Redesign plant, sollte es jetzt machen - dann ist beides auf einen Schlag erledigt.

Fazit

Die Schonfrist für BFSG Kleinstunternehmen läuft aus. Wer jetzt handelt, hat genug Zeit für eine saubere Umsetzung ohne Stress. Wer wartet, riskiert Abmahnungen und teure Schnellschüsse unter Zeitdruck. Das Gute: Die meisten Maßnahmen sind überschaubar und machen deine Website gleichzeitig besser für alle Nutzer und für Google. Barrierefreiheit nach dem European Accessibility Act (EAA) ist kein lästiger Papierkram - sie macht Websites professioneller. Mehr Hintergrund zum Thema findest du in unserem Grundlagen-Artikel zur Barrierefreiheit. Und mit unserem kostenlosen BFSG-Check findest du in 2 Minuten heraus, wo deine Website steht.

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MK

Marcel Kietsch

Webdesigner & Entwickler bei MK Websolution. Schreibt über Webdesign, SEO und digitale Lösungen für kleine Unternehmen.

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